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Waldbau · 3 Min. Lesezeit

Warum Mischwald dem Borkenkäfer standhält

Der Buchdrucker hat ganze Fichtenwälder verschwinden lassen. Warum ihm ein gemischter Bestand aus mehreren Baumarten sehr viel schwerer fällt als eine Monokultur.

Ein Käfer, sehr genau auf eine Art spezialisiert

Der Borkenkäfer, der in den vergangenen Jahren für Schlagzeilen sorgte, heißt eigentlich Buchdrucker (Ips typographus) und hat eine ausgeprägte Vorliebe: Er befällt praktisch ausschließlich Fichten. Das Weibchen bohrt sich durch die Rinde, legt in einer sogenannten Rammelkammer Eier ab, und die schlüpfenden Larven fressen Gänge durch die Bastschicht direkt unter der Rinde. Genau durch diese Schicht transportiert der Baum seine Nährstoffe. Bei starkem Befall wird der Baum regelrecht durchtrennt und stirbt ab.

In warmen Sommern schafft der Buchdrucker zwei, in Ausnahmejahren sogar drei Generationen, jede davon deutlich zahlreicher als die vorherige. Was in einem normalen Jahr eine überschaubare Anzahl befallener Bäume bedeutet, kann sich in einem heißen, trockenen Sommer binnen weniger Wochen zu einer Massenvermehrung auswachsen.

Befallene Fichten erkennt man an feinem, rötlichem Bohrmehl am Stammfuß und in Rindenritzen (den Ausräumresten aus den Brutgängen) sowie später an einer Krone, die sich von Grün über Gelb nach Rotbraun verfärbt. Zu dem Zeitpunkt hat der Käfer den Baum meist längst wieder verlassen und die nächste Fichte befallen, was die Bekämpfung so schwierig macht: Sichtbar wird der Befall oft erst, wenn er woanders schon weitergeht.

Warum die Monokultur die Katastrophe erst möglich machte

Gesunde Fichten wehren sich mit Harz: Bohrt sich ein Käfer ein, wird er im austretenden Harzfluss buchstäblich ausgeflossen. Nach mehreren Dürrejahren in Folge hatten viele Fichten diese Abwehr kaum noch zur Verfügung: Der Baum hatte schlicht nicht genug Wasser, um Harz zu bilden. Stürme wie Kyrill 2007 oder Friederike 2018 lieferten zusätzlich große Mengen frisches, bruttaugliches Holz, in dem sich der Käfer ungestört vermehren konnte, bevor er von dort auf die lebenden Nachbarbäume übersprang.

Genau hier zeigt sich das Problem einer Monokultur: Steht ein geschwächter Baum inmitten Hunderter genetisch und altersmäßig fast identischer Fichten, findet der Käfer nach dem ersten Baum sofort den nächsten geeigneten Wirt, Tür an Tür, ohne jede Unterbrechung. Eine Massenvermehrung kann sich so nahezu ungebremst durch einen ganzen Bestand fressen.

Was ein gemischter Bestand anders macht

  • Arten als Barriere: Der Buchdrucker befällt keine Eichen, Buchen oder Winterlinden. Stehen zwischen den Fichten andere Baumarten, unterbricht das die Kette von Wirt zu Wirt.
  • Kühleres, feuchteres Kleinklima: Ein Kronendach aus mehreren Arten hält den Boden schattiger und feuchter als eine gleichförmige Nadelholzfläche. Das mindert den Trockenstress, der Bäume überhaupt erst anfällig macht.
  • Unterschiedliche Wurzeltiefen: Stehen Arten mit tiefen und flachen Wurzeln nebeneinander, konkurrieren sie weniger um dieselbe, knappe Wasserschicht.
  • Kein synchroner Zusammenbruch: Verschiedene Arten reagieren unterschiedlich auf denselben Extremsommer. Selten sind in einem gemischten Bestand alle Bäume gleichzeitig am stärksten geschwächt.

Was das für neu gepflanzte Flächen bedeutet

Deshalb wird auf Flächen, die nach einem Fichtensterben neu bepflanzt werden, bewusst nicht wieder eine einzelne Art gesetzt, sondern ein Bestand aus mehreren Arten mit unterschiedlichen Aufgaben: Traubeneiche und Rotbuche als tragende Arten, dazwischen Bergahorn, Hainbuche, Vogelkirsche, Winterlinde und Elsbeere. Keine dieser Arten ist für den Buchdrucker ein Wirt.

Das ist kein vollständiger Schutz vor jedem denkbaren Schädling: Jede Baumart hat eigene Gegenspieler unter Insekten und Pilzen. Es senkt aber das Risiko, dass ein einzelner Organismus eine ganze Fläche auf einen Schlag verwüstet, so wie es dem Buchdrucker in den reinen Fichtenbeständen möglich war. Was danach auf einer ehemaligen Fichtenfläche konkret passiert, bis daraus wieder ein Wald wird, ist eine eigene Geschichte für sich.

Geschrieben von der Redaktion des Staufenwalds. Wir forsten die Kuchalb bei Donzdorf wieder auf und schreiben über das, was wir dabei sehen. Fachliches lassen wir vom Förster gegenlesen.

Einen echten Baum pflanzen lassen?

Auf einer benannten Fläche in Baden-Württemberg, mit Koordinaten auf der Urkunde. Du kannst hinfahren und ihn ansehen.