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Waldbau · 8 Min. Lesezeit

Was ist eine Monokultur? Und warum unsere zusammengebrochen ist

Monokultur heißt: eine Art, ein Alter, eine Fläche. Was das im Wald bedeutet, warum es 200 Jahre lang sinnvoll schien und was auf der Kuchalb davon übrig ist.

Kahlfläche nach dem Absterben eines Fichtenbestands, dazwischen junge Laubbäume

Eine Monokultur ist eine Fläche, auf der über lange Zeit nur eine einzige Art angebaut wird. Im Wald heißt das: ein Baumbestand aus einer Art, meist auch aus einem einzigen Pflanzjahr, oft in Reihen. Der Gegenbegriff ist der Mischwald, in dem mehrere Arten unterschiedlichen Alters nebeneinanderstehen.

Der Begriff kommt aus der Landwirtschaft und beschreibt dort dasselbe: Mais auf demselben Schlag, Jahr für Jahr. Im Wald wiegt er schwerer, weil ein Fehler nicht nach einer Saison auffällt, sondern nach achtzig Jahren.

Drei Dinge machen eine Monokultur aus

  • Eine Art: In Deutschland fast immer die Fichte, seltener die Kiefer. Beide wachsen schnell und liefern gerades Bauholz.
  • Ein Alter: Alles auf der Fläche wurde im selben Jahr gepflanzt. Der Bestand ist damit gleich hoch, gleich dick und gleichzeitig reif.
  • Eine Struktur: Kein Unterwuchs, keine zweite Baumschicht, wenig Licht am Boden. Von oben sieht so ein Bestand aus wie eine grüne Decke.

Erst alle drei zusammen ergeben das Problem. Ein reiner Fichtenbestand mit vier Altersstufen und Buchen im Unterstand ist etwas anderes als eine Fläche, auf der 1965 zwölftausend gleich alte Fichten in Reihe gesetzt wurden.

Warum überhaupt jemand so gepflanzt hat

Weil es funktioniert hat, und zwar lange. Nach den Kahlschlägen des 18. und 19. Jahrhunderts und noch einmal nach den Reparationshieben ab 1945 waren große Flächen leer. Die Fichte war die Antwort auf eine echte Notlage: Sie keimt zuverlässig, wächst auch auf ausgezehrtem Boden, liefert nach sechzig bis achtzig Jahren verkäufliches Holz und lässt sich maschinell ernten.

Dazu kam ein zweiter Grund, über den seltener geredet wird: Ein gleichförmiger Bestand ist einfach zu bewirtschaften. Eine Art, ein Erntezeitpunkt, eine Maschine. Wer einen Betrieb rechnen muss, versteht die Entscheidung sofort.

Die Fichte ist keine schlechte Baumart. Sie steht in Deutschland nur zu weiten Teilen dort, wo sie von Natur aus nicht hingehört: im Flach- und Hügelland statt in der Bergregion, in der sie zu Hause ist.

Was daran kippt, wenn es warm und trocken wird

Die Fichte wurzelt flach. Das ist in einem Bergwald mit kühlen, feuchten Sommern kein Nachteil, in einem trockenen Sommer auf 500 Metern schon: Wenn die obersten Bodenschichten austrocknen, kommt sie an kein Wasser mehr. Ein Baum unter Trockenstress produziert weniger Harz, und Harz ist seine einzige Abwehr gegen den Buchdrucker, den häufigsten Borkenkäfer.

Danach geht es schnell. Ein Käferpaar bringt in einem warmen Jahr zwei bis drei Generationen durch, jede mit mehreren zehntausend Nachkommen aus einem einzigen Bestand. Weil ringsum dieselbe Art im selben Alter steht, findet jede Generation sofort den nächsten passenden Wirtsbaum. Eine gemischte Fläche bremst genau das aus: Zwischen zwei Fichten steht eine Buche, und die interessiert den Buchdrucker nicht.

MonokulturMischbestand
Ausfall einer Artdie ganze Flächeein Teil des Bestands
Ausbreitung von Schädlingenungebremst, Wirt an Wirtunterbrochen durch andere Arten
Windwurfgleiche Höhe, gleiche Angriffsflächegestufte Kronen bremsen
Bodeneinseitige Streu, saure AuflageLaub und Nadeln gemischt
Erntealles auf einmalüber Jahrzehnte verteilt

Was auf der Kuchalb davon übrig ist

Unsere Fläche südlich von Donzdorf war genau so ein Bestand: Fichte, gleichaltrig, gepflanzt in den Sechzigern. Nach den Trockenjahren ab 2018 kam der Buchdrucker, und was er übrig ließ, musste geräumt werden. Was blieb, war eine Kahlfläche mit Wurzelstöcken und dem, was sich in den Lücken selbst ausgesät hatte.

Das ist der Punkt, an dem eine Wiederbewaldung anfängt, und der Grund, warum wir fünf Arten pflanzen statt einer: Traubeneiche, Rotbuche, Bergahorn, Winterlinde und Vogelkirsche. Nicht weil fünf eine schöne Zahl ist, sondern weil niemand weiß, welche davon das Klima der nächsten achtzig Jahre am besten aushält. Fünf Arten sind fünf Wetten, und es reicht, wenn drei davon aufgehen.

Ein Bestand aus einer Art ist eine Entscheidung, die man erst in achtzig Jahren korrigieren kann. Fünf Arten sind eine Entscheidung, die sich selbst korrigiert.

Heißt das, Monokulturen gehören verboten?

Nein, und wer das behauptet, macht es sich zu leicht. Es gibt Standorte, auf denen eine Art bestandsbildend ist, ganz ohne Zutun des Menschen: Kiefer auf armen Sandböden, Fichte im Hochgebirge, Buche auf vielen Kalkstandorten. Ein natürlicher Buchenwald ist artenarm und trotzdem stabil, weil die Art dorthin gehört.

Das Problem ist nicht die eine Art, sondern die eine Art am falschen Ort, in einem Alter, auf großer Fläche. Wer das trennt, kommt zu brauchbaren Entscheidungen. Wer es zusammenwirft, landet bei Parolen.

Was jemand tun kann, der selbst eine Fläche hat

  • Standort vor Wunschbaum. Welche Arten wachsen im Umkreis von selbst? Die sind der beste Hinweis auf das, was hier trägt.
  • Mindestens drei Arten, besser fünf, und keine davon über die Hälfte der Fläche.
  • Naturverjüngung mitnehmen. Was sich selbst aussät, ist umsonst und steht meist besser als jede Pflanzung.
  • Verbissschutz einplanen. Ohne Wuchshülle oder Zaun ersetzt das Reh die Artenwahl durch seine eigene.
  • Förderung prüfen. In Baden-Württemberg gibt es Zuschüsse für die Wiederbewaldung nach Schadereignissen; der Antrag läuft über das Landratsamt.

Was das kostet, rechnet unser Rechner zur Wiederbewaldung mit den Förderhinweisen für Baden-Württemberg durch.

Geschrieben von der Redaktion des Staufenwalds. Wir forsten die Kuchalb bei Donzdorf wieder auf und schreiben über das, was wir dabei sehen. Fachliches lassen wir vom Förster gegenlesen.

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Einen echten Baum pflanzen lassen?

Auf einer benannten Fläche in Baden-Württemberg, mit Koordinaten auf der Urkunde. Du kannst hinfahren und ihn ansehen.