Ein Ökosystem ist eine Lebensgemeinschaft und der Raum, in dem sie lebt, zusammen betrachtet. Beim Ökosystem Wald gehören dazu die Bäume, alles, was zwischen ihnen wächst, die Tiere, die Pilze, die Bakterien im Boden und dazu Licht, Wasser, Temperatur und das Gestein darunter. Der Punkt an dem Wort ist, dass man nichts davon einzeln betrachten kann.
Die Stockwerke, und warum sie zusammengehören
Ein aufgebauter Wald hat vier bis fünf Schichten übereinander. Sie sind kein Ordnungsschema für den Unterricht, sondern die Beschreibung dessen, wer wie viel Licht bekommt.
- Baumschicht: die Kronen. Sie fangen das meiste Licht ab und bestimmen damit, was darunter überhaupt möglich ist.
- Strauchschicht: Hasel, Holunder, junge Bäume. Hier wächst, was mit Halbschatten auskommt.
- Krautschicht: Farne, Gräser, Blühendes. Im Buchenwald zeigt sie sich im Frühjahr, bevor die Kronen dicht sind.
- Moos- und Streuschicht: abgestorbenes Laub und Holz. Hier findet die Zersetzung statt.
- Wurzelschicht: die eigentliche Schaltstelle. Mehr Lebewesen als in allen Schichten darüber zusammen.
Eine gleichförmige Fläche hat davon zwei: Kronen und Nadelstreu. Genau daran erkennt man im Vorbeigehen, ob ein Bestand nur aus Bäumen besteht oder ein Wald ist.
Der Boden ist der interessanteste Teil
In einer Handvoll Waldboden leben mehr Organismen als Menschen auf der Erde. Sie machen eine einzige Sache, und die ist die Grundlage von allem anderen: Sie zerlegen abgestorbenes Material wieder in Nährstoffe, die eine Wurzel aufnehmen kann. Ohne diesen Rücklauf wäre ein Wald nach wenigen Generationen mit sich selbst zugeschüttet.
Die auffälligste Verbindung ist die zwischen Pilz und Wurzel. Pilzfäden legen sich um die Feinwurzeln und erschließen ein Vielfaches der Bodenfläche; der Baum gibt dafür Zucker aus der Fotosynthese ab. Beide Seiten leben davon, keine könnte es allein. Über dieselben Fäden gleichen Bäume auch untereinander Nährstoffe aus.
Was man im Herbst als Pilz sammelt, ist nur der Fruchtkörper. Der eigentliche Pilz liegt im Boden und kann eine Fläche von mehreren Hektar durchziehen.
Die Kreisläufe: Wasser, Kohlenstoff, Nährstoffe
| Kreislauf | Was der Wald tut | Was ohne ihn passiert |
|---|---|---|
| Wasser | Kronen bremsen Regen, Boden speichert und gibt langsam ab | Abfluss an der Oberfläche, Erosion, Hochwasserspitzen |
| Kohlenstoff | Bindung in Holz, Wurzeln und Humus über Jahrzehnte | Freisetzung aus dem Boden, kein Zuwachs |
| Nährstoffe | Laubfall, Zersetzung, Wiederaufnahme über die Wurzel | Auswaschung, Verarmung der oberen Schichten |
| Temperatur | Schatten und Verdunstung, im Sommer mehrere Grad kühler | Aufheizung der Fläche, Austrocknung |
Der Wasserkreislauf ist der, den man am schnellsten sieht. Auf einer geräumten Fläche läuft ein Starkregen oberflächlich ab und nimmt Boden mit; unter geschlossenem Kronendach versickert derselbe Regen fast vollständig.
Was zuerst zurückkommt, wenn nichts mehr da ist
Auf unserer Fläche auf der Kuchalb lässt sich das gerade beobachten. Nach der Räumung war da eine offene Fläche mit Wurzelstöcken. Was zuerst kam, war nicht das, was man pflanzt:
- Im ersten Jahr Gräser, Brombeere, Weidenröschen. Sie brauchen viel Licht und wachsen schneller als jeder Baum.
- Im zweiten die ersten Pionierbäume aus Samen, die der Wind gebracht hat: Birke, Salweide, Aspe.
- Parallel dazu Insekten in großer Zahl, weil totes Holz und offener Boden zusammenkommen, und danach die Vögel, die davon leben.
- Erst danach die Arten, die Schatten vertragen und alt werden: Eiche, Buche, Ahorn, Linde. Auf sie wartet man zu lange, deshalb pflanzt man sie.
Das ist der Grund, warum Wiederbewaldung kein Auffüllen ist. Man setzt nicht Bäume auf eine leere Fläche, sondern greift in eine Abfolge ein, die ohnehin läuft, und kürzt sie um mehrere Jahrzehnte ab.
Was passiert, wenn ein Teil fehlt
Ökosysteme sind erstaunlich zäh, solange genug Verbindungen doppelt vorhanden sind. Fällt eine Art aus, übernehmen andere ihre Rolle. Kritisch wird es dort, wo eine Art keine Vertretung hat.
Das bekannteste Beispiel in unseren Wäldern ist der Eichelhäher. Er vergräbt im Herbst Tausende Eicheln als Vorrat und findet nicht alle wieder; aus dem Rest werden Eichen, oft hunderte Meter vom Mutterbaum entfernt. Kein anderes Tier verbreitet Eicheln über solche Strecken. Das Eichhörnchen macht dasselbe mit Nüssen und Bucheckern.
Umgekehrt kann auch ein Zuviel ein Loch reißen. Wo zu viele Rehe stehen und zu wenig Deckung ist, wird jeder junge Laubbaum verbissen, bevor er über die Äsungshöhe kommt. Die Fläche verjüngt sich dann nur noch mit dem, was das Reh nicht mag – und die Artenwahl trifft nicht mehr der Förster.
Deshalb steht auf unserer Fläche an jedem gepflanzten Baum eine Wuchshülle. Wie das im Einzelnen funktioniert, steht im Beitrag über Wuchshüllen im Wald.




