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Klima · 8 Min. Lesezeit

Waldsterben in Deutschland: Was heute stirbt, und warum es diesmal anders ist

Vier von fünf Bäumen in Deutschland sind geschädigt. Was das Waldsterben der Achtziger vom heutigen unterscheidet und welche Arten es heute trifft.

Abgestorbene Fichten am Waldrand in der Abenddämmerung

Waldsterben bezeichnet das großflächige Absterben von Bäumen über das übliche Maß hinaus. Der Begriff stammt aus den frühen Achtzigern und meinte damals etwas anderes als heute: Damals war die Ursache saurer Regen aus Schwefeldioxid, heute sind es Trockenheit, Hitze und die Schädlinge, die beides mit sich bringt.

Was in den Achtzigern passierte und was daraus wurde

Kraftwerke und Industrie stießen bis in die Achtziger große Mengen Schwefeldioxid aus. In der Luft wurde daraus Schwefelsäure, die als Regen niederging, Böden versauerte und Nadeln schädigte. Betroffen waren vor allem Fichten in den Mittelgebirgen, im Erzgebirge bis zum Kahlschlag ganzer Hänge.

Die Reaktion darauf ist eine der wenigen umweltpolitischen Geschichten mit gutem Ausgang: Entschwefelungsanlagen wurden Pflicht, bleifreies Benzin kam, Grenzwerte wurden verschärft. Die Schwefeldioxid-Emissionen in Deutschland sind seither um über neunzig Prozent gefallen, und der saure Regen ist als Massenphänomen verschwunden.

Daraus wird bis heute gern der Schluss gezogen, das Waldsterben sei „nie eingetreten“. Richtig ist das Gegenteil: Es trat ein, es wurde gemessen, und dann wurde die Ursache abgestellt. Genau deshalb hörte es auf.

Was heute stirbt

Die heutige Welle begann mit den Trockenjahren ab 2018. Auf einen heißen Sommer folgte ein zweiter, dann ein dritter, und die Böden füllten sich in den Wintern nicht mehr auf. Ein Baum unter Wassermangel schließt seine Spaltöffnungen, wächst weniger und kann sich schlechter wehren. Was danach kommt, ist meist nicht die Trockenheit selbst, sondern ein Schädling, der ohne sie nichts ausgerichtet hätte.

BaumartWas ihr zusetztLage
FichteTrockenstress, danach Borkenkäferam stärksten betroffen, außerhalb der Bergregion vielerorts geräumt
BucheHitze und Sonnenbrand an Stamm und Kroneauffällige Kronenschäden, besonders an Waldrändern
EicheFraß, Mehltau, Trockenheit in Kombinationangeschlagen, insgesamt zäher als die Fichte
EscheEschentriebsterben durch einen eingeschleppten Pilzunabhängig vom Klima, aber flächendeckend
KieferTrockenheit auf ohnehin armen Sandbödenregional stark, vor allem im Nordosten

Über alle Arten hinweg gilt seit Jahren derselbe Befund: Nur etwa jeder fünfte Baum in Deutschland hat eine Krone ohne sichtbare Verlichtung. Vier von fünf sind geschädigt. Die Zahlen stehen jährlich in der Waldzustandserhebung des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

Warum es diesmal schwerer zu lösen ist

Der saure Regen hatte eine Quelle, die man abstellen konnte, und die Wirkung setzte innerhalb weniger Jahre ein. Trockenheit hat keinen Schornstein. Selbst wenn die Emissionen morgen auf null gingen, bliebe die Erwärmung, die schon im System steckt, für Jahrzehnte.

Damit verschiebt sich, was überhaupt zu tun ist. In den Achtzigern war es eine Frage der Filtertechnik. Heute ist es eine Frage des Waldumbaus: weg von Beständen, die auf ein Klima gepflanzt wurden, das es nicht mehr gibt, hin zu Mischungen, die mehrere mögliche Zukünfte aushalten.

Man kann einen Wald nicht auf das Klima von 2100 pflanzen, weil niemand weiß, welches das sein wird. Man kann ihn nur so mischen, dass mehrere Möglichkeiten offenbleiben.

Was auf den Flächen tatsächlich passiert

  • Räumen oder liegen lassen. Befallene Fichten müssen raus, solange der Käfer noch drin ist. Totholz ohne Käfer bleibt besser liegen: Es hält Feuchtigkeit und ist Lebensraum.
  • Naturverjüngung abwarten. Was sich selbst aussät, ist an den Standort angepasst und kostet nichts.
  • Ergänzend pflanzen, wo zu wenig oder das Falsche kommt. Mehrere Arten, keine über die Hälfte der Fläche.
  • Vor Verbiss schützen. Ohne Hülle oder Zaun entscheidet das Reh, welche Arten hochkommen.
  • Jahrzehnte einplanen. Ein Bestand, der wieder Bestand heißen darf, braucht dreißig bis fünfzig Jahre.

Auf der Kuchalb bei Donzdorf sieht man alle fünf Punkte auf einer Fläche. Sie war Fichte, sie ist am Borkenkäfer gestorben, und sie wird mit Traubeneiche, Rotbuche, Bergahorn, Winterlinde und Vogelkirsche ersetzt. Wo das steht und wie weit es ist, zeigt die Waldkarte.

Was einzelne Menschen davon beeinflussen können

Ehrlicherweise: wenig direkt. Der Waldumbau in Deutschland ist eine Aufgabe über Jahrzehnte, an der Forstbetriebe, Länder und Waldbesitzende arbeiten, und die Fläche ist groß. Wer eine eigene Fläche hat, hat den größten Hebel, und für alle anderen bleibt die Beteiligung an konkreten Flächen.

Was dabei zählt, ist die Nachprüfbarkeit: Steht der Baum wirklich, kann man hinfahren, sagt jemand ehrlich, wenn etwas ausfällt? Woran man das erkennt, steht in sieben Prüfpunkten für eine seriöse Baumpatenschaft.

Geschrieben von der Redaktion des Staufenwalds. Wir forsten die Kuchalb bei Donzdorf wieder auf und schreiben über das, was wir dabei sehen. Fachliches lassen wir vom Förster gegenlesen.

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Einen echten Baum pflanzen lassen?

Auf einer benannten Fläche in Baden-Württemberg, mit Koordinaten auf der Urkunde. Du kannst hinfahren und ihn ansehen.