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Waldbau · 3 Min. Lesezeit

Was nach dem Fichtensterben auf der Fläche passiert

Von der Kalamitätsfläche zum Mischwald: was nach dem Absterben der Fichten wirklich passiert und warum der neue Wald Jahrzehnte braucht.

Wie eine Kalamitätsfläche aussieht

Wenn eine Fichtenfläche durch Dürre und Borkenkäfer großflächig abstirbt, sprechen Forstleute von einer Kalamitätsfläche. Das abgestorbene Holz muss aus mehreren Gründen aufgearbeitet werden: aus Sicherheitsgründen, weil abgestorbene Stämme unkontrolliert umstürzen können, und weil totes Fichtenholz weiterhin als Brutstätte für Borkenkäfer dient, die von dort aus benachbarte, noch gesunde Bäume befallen können. Am Ende dieses Prozesses steht häufig eine großflächig offene, kahle Fläche, auf der zuvor Wald stand.

In Jahren, in denen ganze Regionen gleichzeitig betroffen waren, kam noch ein wirtschaftlicher Effekt hinzu: Die Holzmärkte waren mit Schadholz überschwemmt, die Preise fielen, was die Aufarbeitung für Waldbesitzer zusätzlich erschwerte. Für manche Flächen war das zugleich der Anstoß, sie nicht in Eigenregie wieder aufzuforsten, sondern für eine Aufforstung mit Baumpatenschaften zur Verfügung zu stellen.

Was auf der offenen Fläche zuerst wächst

Ohne schattenspendendes Kronendach verändert sich das Kleinklima am Boden sofort: mehr Licht, mehr Verdunstung, wärmere und trockenere Böden. Pionierpflanzen nutzen dieses Fenster als Erste: Gräser, Brombeeren, Weidenröschen, oft auch Birken als schnellwüchsiges Pioniergehölz. Natürliche Verjüngung aus Samen benachbarter Bäume passiert zwar, liefert aber selten von selbst die gewünschte Mischung: Wo vorher nur Fichte stand, keimt ohne Zutun oft wieder überwiegend Fichte nach, oder, falls keine Samenbäume mehr in der Nähe stehen, zunächst einmal gar nichts Brauchbares.

Diese Pionierphase ist ökologisch kein Fehler: Brombeeren und Gräser bremsen die Erosion auf der offenen Fläche und bieten Insekten und Vögeln kurzfristig Lebensraum, den ein geschlossener Wald so nicht bietet. Für die gezielte Aufforstung bedeutet sie aber vor allem eines: Konkurrenz. Die jungen, gepflanzten Bäumchen müssen sich gegen genau diese schnellwüchsige Vegetation um Licht und Wasser behaupten.

Warum nicht einfach wieder Fichten gepflanzt werden

Genau hier liegt der Bruch mit der bisherigen Praxis. Statt die Fläche wieder mit der Art zu bestocken, die gerade großflächig gescheitert ist, wird heute bewusst umgebaut: mit mehreren, an den Standort angepassten, meist heimischen Laubbaumarten statt einer einzelnen Nadelbaum-Monokultur. Die Auswahl richtet sich danach, welche Arten auf dem jeweiligen Boden und Kleinklima realistische Überlebenschancen haben: Tiefwurzelnde, trockenheitsverträglichere Arten wie Traubeneiche spielen dabei eine größere Rolle als früher.

Diese neu gepflanzten Setzlinge brauchen auf der offenen Fläche zunächst Schutz: vor Verbiss durch Wild, das die freie Fläche und ihre zarten jungen Triebe anzieht, und vor der Konkurrenz durch schnell wachsende Pionierpflanzen, die den jungen Bäumen Licht und Wasser streitig machen. Deshalb gehören Wuchshüllen und regelmäßige Pflege in den ersten Jahren zu jeder solchen Aufforstung dazu.

Der lange Weg zum neuen Wald

Von der kahlen Fläche bis zu einem Bestand, der wieder wie ein Wald wirkt (mit geschlossenem Kronendach, kühlem Waldboden und eigenem Kleinklima), vergehen Jahrzehnte, nicht Jahre. In den ersten Jahren sind die jungen Bäume die verletzlichsten: klein, konkurrenzschwach gegenüber Gras und Brombeere, anfällig für Trockenheit und Verbiss. Erst wenn sie über diese Phase hinausgewachsen sind, beginnt sich langsam wieder ein Bestand mit eigenem Innenklima zu entwickeln.

Das ist auch der Grund, warum eine frisch gepflanzte Fläche zunächst wenig beeindruckend aussieht: kniehohe Setzlinge in Wuchshüllen, dazwischen viel offener Boden. Der eigentliche Wald entsteht daraus erst über die folgenden Jahrzehnte, Baum für Baum. Wer heute eine Patenschaft für eine solche Fläche übernimmt, sieht deshalb auf absehbare Zeit eher ein Versprechen als einen fertigen Wald, belegt durch GPS-Koordinate und Urkunde, nachprüfbar mit jedem Wachstumsbericht, der danach folgt.

Geschrieben von der Redaktion des Staufenwalds. Wir forsten die Kuchalb bei Donzdorf wieder auf und schreiben über das, was wir dabei sehen. Fachliches lassen wir vom Förster gegenlesen.

Einen echten Baum pflanzen lassen?

Auf einer benannten Fläche in Baden-Württemberg, mit Koordinaten auf der Urkunde. Du kannst hinfahren und ihn ansehen.